Gesundheit neu gedacht
VDH-Initiativen stoßen international auf große Anerkennung
Die im VDH initiierten und von zahlreichen Zuchtvereinen getragenen Gesundheitsprogramme erfahren derzeit eine bemerkenswerte internationale Resonanz. In den vergangenen Monaten haben die dem VDH angeschlossenen Vereine mit großem Engagement und erheblichem organisatorischem wie wissenschaftlichem Aufwand neue Wege beschritten, um die Gesundheit und die genetische Diversität unserer Hunderassen nachhaltig zu sichern.
Dr. Jan-Peter-Bach
Im Zentrum dieser Initiativen steht ein klares Ziel: die langfristige Verbesserung der Lebensqualität unserer Hunde durch eine verantwortungsvolle, moderne Zuchtstrategie. Dabei geht es nicht nur um die Vermeidung von Erbkrankheiten, sondern auch um die bewusste Weiterentwicklung von Phänotypen hin zu funktionalen, belastbaren und vitalen Hunden, die den Anforderungen des Zusammenlebens mit dem Menschen in idealer Weise gerecht werden.
Ein Vorreiter dieser Entwicklung ist das bereits seit einigen Jahren bestehende Projekt „Mops 2.0“ des Club für den Mops. Hier wird bewusst mit einer Öffnung des Zuchtbuches gearbeitet, indem auch geeignete Hunde außerhalb des bisherigen Zuchtvereins einbezogen werden. Ziel ist es, typische gesundheitliche Probleme – insbesondere im Zusammenhang mit der Kurznasigkeit – zu reduzieren und einen moderneren, sportlicheren und funktionaleren Mopstyp zu etablieren. Damit wird ein zukunftsweisender Ansatz verfolgt, der sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch praktische Zuchterfahrung miteinander verbindet.
Einen weiteren Meilenstein stellt das Outcross-Projekt des Französische Bulldoggen Verein Deutschland e. V. dar, das nach mehrjähriger intensiver Planung im Jahr 2024 gestartet wurde. Hier wird gezielt mit der Einkreuzung einer anderen Rasse gearbeitet, um genetische Vielfalt zu erhöhen und gesundheitliche Risiken zu reduzieren. Bereits kurze Zeit nach Projektbeginn konnten erste Würfe verzeichnet werden, deren Welpen durch ein äußerst ansprechendes Erscheinungsbild überzeugen: Sie vereinen rassetypische Merkmale wie die charakteristischen Stehohren der Französischen Bulldogge mit einer deutlich reduzierten Brachycephalie. Erste Beobachtungen und Untersuchungen zeigen zudem, dass die Hunde sich durch eine hohe Vitalität und Fitness auszeichnen, während ihr freundliches, menschenbezogenes Wesen erhalten bleibt.
In diesem Jahr wurden vergleichbare Initiativen nun auch beim Cavalier King Charles Spaniel sowie beim Boston Terrier angestoßen. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass sich innerhalb des VDH eine breite Bewegung hin zu einer noch stärker gesundheitsorientierten Zucht etabliert.
Dabei war und ist der Weg keineswegs frei von Herausforderungen. Die kontrollierte Rassehundezucht beruht traditionell auf der gezielten Selektion definierter phänotypischer Eigenschaften, die nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch das Wesen und die Eignung der Hunde für unterschiedliche Lebensbereiche prägen. Die Einkreuzung anderer Rassen stellt daher einen tiefgreifenden Eingriff in über viele Jahre etablierte Strukturen dar und wird verständlicherweise von Teilen der Züchtergemeinschaft kritisch betrachtet. Gleichzeitig zeigen jedoch zahlreiche veterinärmedizinische Studien sowie umfangreiche Datensätze aus der Tiermedizin und von Tierversicherungen, dass bei bestimmten, gesundheitlich problematischen Merkmalen ein Umdenken notwendig ist – ein Umdenken, das im VDH inzwischen aktiv vollzogen wird.
Dass dieser Weg international Aufmerksamkeit erregt, zeigte sich eindrucksvoll beim International Dog Health Workshop in Bologna: Dort wurden die aktuellen Gesundheitsinitiativen des VDH in mehreren Fachvorträgen von unabhängigen Expertinnen und Experten ausdrücklich als beispielhaft für eine moderne, evidenzbasierte Hundezucht hervorgehoben.
Auch erste wissenschaftliche Untersuchungen und Auswertungen stützen die eingeschlagene Richtung der VDH-Zuchtvereine.
Dabei ist zunächst eine klare Abgrenzung wichtig: Ziel moderner Outcross-Programme ist ausdrücklich nicht die kurzfristige Erzeugung sogenannter „Designer-Dogs“, also von Hybridhunden, die häufig mit dem Versprechen besonderer Gesundheit vermarktet werden.
Aktuelle Studien zeigen entgegen solcher Behauptungen, dass solche Kreuzungen – etwa Cockapoos, Labradoodles oder Cavapoos – im Durchschnitt keine nachhaltige gesundheitliche Verbesserung gegenüber ihren Ausgangsrassen aufweisen. Darüber hinaus konnten teilweise sogar ungünstigere Verhaltenseigenschaften im Vergleich zu den reinrassigen Ursprungsrassen festgestellt werden.
Dem gegenüber stehen wissenschaftlich begleitete, klar strukturierte Outcross-Programme innerhalb der organisierten Rassehundezucht. Ihr Ziel ist nicht die Etablierung neuer „Modehunde“, sondern die nachhaltige Stärkung genetischer Vielfalt sowie die gezielte Verbesserung gesundheitlich relevanter Merkmale innerhalb bestehender Rassen. Genau hier zeigt sich das große Potenzial dieser Programme: Studien belegen, dass insbesondere bei stark brachycephalen Rassen bereits in der ersten Generation nach gezielter Einkreuzung geeigneter Partner eine deutliche funktionale Verbesserung erreicht werden kann. So treten klinisch relevante Formen des Brachycephalen Obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) in diesen Linien in der Regel nicht mehr auf. Gleichzeitig zeigen die Hunde insgesamt eine hohe Belastbarkeit, gute Fitness sowie ein ausgeglichenes, rassetypisches Verhalten.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass moderne Outcross-Programme keine Abkehr von der traditionellen Rassehundezucht darstellen – im Gegenteil. Sie knüpfen an die grundlegenden Prinzipien an, auf denen die Entstehung unserer heutigen Hunderassen überhaupt beruht: die gezielte Kombination unterschiedlicher genetischer und phänotypischer Eigenschaften, mit dem Ziel, gesunde, leistungsfähige und wesensfeste Hunde zu züchten. In diesem Sinne sind die aktuellen Initiativen im VDH Ausdruck einer verantwortungsbewussten Weiterentwicklung der Rassehundezucht – wissenschaftlich fundiert und konsequent am Wohl des Hundes orientiert.