Klein und clever
Japan Spitz
Er wacht, obwohl er eigentlich gar kein Wachhund ist. Sein reinweißes Haarkleid ist trotz aller Opulenz recht pflegeleicht und ausgesprochen anhänglich und treu ist der Japan Spitz auch noch. Insgesamt handelt es sich also um einen fröhlichen und entspannten Begleiter, der die Natur und Action mit seinen Menschen liebt.
Gabriele Metz
Wissen Sie, was ein Nihon Supittsu ist? Hinter diesem fernöstlichen Namen verbirgt sich der zauberhafte Japan Spitz. Der elegante Kleinhund gehört im Heimatland Japan zu den eher jüngeren Hunderassen — zumindest, wenn man ihn mit traditionellen japanischen Rassen wie dem Akita Inu oder dem Shiba Inu vergleicht. Erst seit den 1930er Jahren gibt es eine gezielte Zucht der Rasse. Die Ähnlichkeit zu Gross- und Mittelspitz ist nicht zu übersehen, allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied: der Japan Spitz neigt ganz und gar nicht zum Kläffen. Da es dem Japan Spitz jedoch weitgehend an Misstrauen mangelt und er zudem laut Standard auch keinen Lärm machen soll, eignet er sich nur bedingt als Wachhund. Fremde kündigt er hingegen schon an, aber er steigert sich dabei nicht in ausgelassenes Gebell hinein. Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber unbekannten Personen ist rassetypisch, allerdings wird bei gegenseitigem Gefallen auch rasch Freundschaft geschlossen.
Ganz schön clever
Die Stärken des kleinen Japaners liegen vielmehr in seiner Aufgewecktheit und Cleverness. Er ist ein hellwacher Begleithund, der alles um sich herum genau wahrnimmt. Verspieltheit und Agilität gehören ebenfalls zu den Eigenschaften des Japan Spitz, wobei sein Temperament in der Regel nicht über die Stränge schlägt, was sich im täglichen Umgang als sehr angenehm erweist. Eine Ausnahme bilden Welpen und Junghunde, die durchaus sehr viel Temperament an den Tag legen können. Von Natur aus anhänglich und treu, bindet sich der pfiffige Vierbeiner eng an seine Familie. Er kommt gut mit Kindern und auch mit anderen Haustieren zurecht. Am allerliebsten ist der überaus gefällige Kleinhund mitten im Geschehen. Allein bleibt er hingegen nicht gerne.
Action
Ja, der Japan Spitz braucht seine Bewegung und liebt Ausflüge in die Natur – Wanderungen sind ganz nach seinem Geschmack. Das gilt auch für intensives Kuscheln, das angesichts des herrlich weichen Fells, eine wahre Wonne für die Hände ist. Beim Hundesport laufen die agilen und überaus geschickten Spitze zu Hochtouren auf. Trick Dogging, Dog Dance und Agility sind ganz nach seinem Geschmack. Er begeistert sich für fast alles, was sein kluges Köpfchen herausfordert.
Kurz&Knapp
Herkunftsland
Japan
FCI Gruppe
5
FCI Standard Nummer
262
Verwendung
Begleithund
Größe
30 bis 38 Zentimeter, Hündinnen etwas kleiner
Gewicht
ohne Angabe
Haar
gerades, abstehende Deckhaar; kurze, weiche, dichte Unterwolle
Farbe(n)
Reinweiß
Unbefangen und unkompliziert
Die Erziehung des auch für Anfänger geeigneten Hundes ist denkbar einfach. Aber erzogen werden muss auch er. Eine gründliche Sozialisierung im Welpen- und Junghundalter macht den Japan Spitz zu einem fröhlichen, unbefangenen und unkomplizierten Partner. Die jagdliche Motivation ist bei dieser Rasse in der Regel nur wenig ausgeprägt. Somit steht stressfreien Spaziergängen mit viel Freilauf nichts im Wege. Die Lernfähigkeit der asiatischen Frohnatur ist geradezu verblüffend. Der Japan Spitz begreift unheimlich schnell und lernt mit besonders großer Freude, wenn man ihn spielerisch trainiert. Obwohl der pfiffige Spitz rein gar nichts mit Retrievern zu tun hat, so teilt er sich mit den englischen Jagdhunden jedoch den legendären „Will to Please“: Er ist stets bemüht, seinem Menschen zu gefallen und freut sich wie verrückt, wenn der Zweibeiner glücklich ist. Da die Rasse von Natur aus mit einem verträglichen Wesen ausgestattet ist, gibt es in der Regel auch keine Probleme mit größeren Hunden. Dennoch ist der selbstbewusste Spitz durchaus in der Lage, sich mutig zu behaupten, sollte es die Situation erfordern.
Wie wir wurden, was wir sind
In Japan wird der Japan Spitz seit den 1930er Jahren gezielt gezüchtet. Die nationale Anerkennung als Rasse erfolgte 1948. Die internationale Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erfolgte 1964. Die ersten Rassevertreter gelangten 1973 nach Europa. Seit 1987 ist der Verein für Deutsche Spitze e.V. für die Rasse zuständig. Der erste Wurf innerhalb Deutschlands fiel 1990.
Die Geschichte des Japan Spitz könnte eng mit dem weißen Deutschen Großspitz in Verbindung stehen. Womöglich gelangte dieser 1920 über Sibirien und Nordost-China nach Japan. Bis 1936 erfolgten zudem Importe weißer Spitze aus Kanada, den USA, Australien und China. So fand vielleicht auch der russische Spitz über die chinesische Mandschurei Eingang in die Spitzzucht. Auch der Amerikanische Eskimohund scheint eine Rolle gespielt zu haben. Und der Samojede? Nein. Obwohl das rassetypische Lächeln des Japan Spitz durchaus an das des Samojeden erinnert, ist keine direkte Verbindung dieser beiden Rassen nachgewiesen.
Bürsten ist wichtig
Das attraktive Fell des Japan Spitz macht weniger Arbeit als man auf den ersten Blick vermuten würde, es sollte jedoch schon mehrmals pro Woche gebürstet werden. Während des Fellwechsels liegt der Fokus auf der Entfernung der losen Unterwolle. Bitte keinesfalls abscheren! Das würde die natürliche Thermoregulierung des Hundes aus dem Gleichgewicht bringen und seinen rassetypischen Look zerstören.
Schicke Fahnenrute
Der Körper des 30 bis 38 Zentimeter großen Japan Spitz ist länger als hoch – was ihn vom Deutschen Spitz unterscheidet. Sein auffälliges Haarkleid ist stets reinweiß. Der spitze Fang und die dreieckigen, aufrecht getragenen Ohren sind ebenso rassetypisch wie die auf dem Rücken getragene Fahnenrute. Ausgewogene Proportionen gehören ebenso zum Rassebild wie eine kräftige Konstitution und die von Harmonie und Eleganz geprägte Schönheit der Rasse.
Hakuryo
Hakuryo erblickte am 6. August 1947 das Licht der Welt und ist der erste registrierte Japan Spitz. Er legte den Grundstein für eine Rasse, die in Japan in den 1950er Jahren rasant an Beliebtheit gewann. Damals erfolgten jährlich rund 4.500 Registrierungen. Das änderte sich mit dem wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung des Landes. Die Bedeutung eines aufmerksam wachenden Hundes sank. In den Großstädten mangelte es zunehmend an Platz für Hunde. Die Zucht erlitt einen herben Rückschlag. In den 1970er Jahren erfolgten maximal 500 Registrierungen pro Jahr. Doch das Blatt wendete sich erneut. Als die Rolle von Gesellschafts- und Begleithunden wichtiger wurde, eroberte der Japan Spitz erneut die Herzen. Während sich die Rasse in Skandinavien und England heute großer Beliebtheit erfreut, gehört er in Deutschland nach wie vor zu den eher seltenen Rassen.
Unterschiede zum Deutschen Mittelspitz
Vergleicht man den Japan Spitz mit dem Deutschen Mittelspitz, fallen einige Unterschiede auf, wenn sie auch gering sind. Während der offizielle Rassestandard für den Mittelspitz einen quadratischen Körperbau wünscht, schreibt der Standard des Japan Spitz ein Verhältnis von Körperhöhe zu Körperlänge von 10:11 vor. Auch die Kopfform, der Stopp, der Fang und die Ohren weisen feine Unterschiede auf. Zudem gibt es beim Mittelspitz eine große Farbvielfalt, wogegen der Japan Spitz stets mit „reinweißer Weste“ daherkommt.